Interview | Aurélien Claeyssen, Geschäftsführer JPT Peptide Technologies GmbH | Daheim im Haus der Peptide

Seit über 20 Jahren produziert JPT Peptide Technologies in Berlin Peptide für die Wissenschaft und den Pharma-Bereich. Im Jahr 2009 wurde das Biotech-Unternehmen von der BioNTech SE (Sitz in Mainz) gekauft und konnte seither immer weiter wachsen. Vor kurzem ist JPT mit seinen über 150 Mitarbeitenden in einen eigenen Neubau im Technologiepark Adlershof gezogen. Wir haben mit JPT über das Bauprojekt, den Standort Adlershof und die Geschichte des Unternehmens gesprochen.

 

 

 

1. Sie sind gerade in Ihr eigenes neues Gebäude innerhalb des Technologieparks Adlershof gezogen – ein Großprojekt, dessen Umsetzung mehrere Jahre in Anspruch genommen hat. Was hat Sie damals zum Bauen bewogen? 

Das war tatsächlich ein langfristiges Projekt, mit dem wir 2017 begonnen haben. Damals hatte JPT Laborflächen bei WISTA im Technologiepark Adlershof gemietet. Mit Blick auf unsere positiven Geschäftsaussichten und die stabile Finanzlage wurde klar, dass unsere wachsenden Aktivitäten eine gemietete Infrastruktur bald an ihre Grenzen bringen würden. 

Die Entscheidung, ein eigenes Gebäude zu bauen, war daher hauptsächlich geschäftlich motiviert. Wir wollten Räumlichkeiten, die speziell für unsere Workflows, technischen Anlagen, Sicherheitsanforderungen und langfristigen Wachstumsambitionen konzipiert waren. Der Technologiepark Adlershof machte uns das Angebot, Bauland zu erwerben. Und dank der starken Unterstützung von Berlin Partner ist es uns gelungen, eine GWR-Förderung zu erhalten, die das Projekt ermöglicht hat. 

Wir haben das Bauland 2019 erworben und kurz darauf mit der Planung begonnen. Durch die COVID-19 Pandemie kam es zwar leider zu Verzögerungen, aber 2025 konnte das Gebäude fertiggestellt werden. Gerade als wir mit dem Umzug begonnen hatten, erwartete uns dann die nächste unvorhergesehene Herausforderung: der große Stromausfall in Treptow-Köpenick, der größte, den Berlin seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat. Doch dank des Engagements unserer Teams, ihrer Kreativität und Flexibilität, haben wir diese Situation gemeinsam gut überstanden. 

Um ein solches langfristiges Projekt umzusetzen, braucht es nicht nur Vertrauen in die langfristigen Geschäftsaussichten eines Unternehmens, sondern auch eine klare Vision für die Entwicklung vor Ort und die Schaffung nachhaltiger, attraktiver Perspektiven für unsere Mitarbeitenden. 

2. Warum haben Sie ausgerechnet an diesem Standort gebaut und was schätzen Sie besonders am Technologiepark Adlershof? Wie wichtig denken Sie ist ganz allgemein die Verfügbarkeit neuer Flächen für Technologieunternehmen in Berlin? 

JPT ist ein Spin-off des Biotech-Unternehmens Jerini AG, das seit den 1990er Jahren im klinischen Bereich aktiv war. Damals war geeignete Infrastruktur für hochinnovative Life-Science-Aktivitäten äußerst begrenzt. Der Technologiepark Adlershof – und dort insbesondere das UTZ – war einer der wenigen Anbieter von Räumlichkeiten, die an solche spezifischen Bedürfnisse angepasst werden konnten. 

Aus historischen Gründen ist JPT also tief im Adlershof verwurzelt. Im Laufe der Jahre haben wir dort ein starkes Netzwerk entwickelt und viele Mitarbeitende haben ihr Berufs- und Privatleben um den Standort herum aufgebaut. Adlershof ist gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden und bietet neben zahlreichen weiteren Annehmlichkeiten vor allem auch eine lebendige wissenschaftliche Community. 

Außerdem hat unser Schwesterunternehmen 3B Pharmaceuticals, das genau wie JPT aus Jerini hervorgegangen ist, vor kurzem sein eigenes Gebäude gleich neben unserem gebaut. Als sich also die Möglichkeit ergab, im Technologiepark Adlershof Land zu erwerben, war es für uns eine ganz selbstverständliche Entscheidung, hier zu bleiben. 

Technologieparks wie der Adlershof und Buch sind heute tragende Säulen des Life-Science-Ökosystems in Berlin. Für technologiegetriebene Unternehmen ist die Verfügbarkeit geeigneter und erweiterbarer Flächen unabdingbar. Deshalb profitieren sie in hohem Maße von der starken Unterstützung von Organisationen wie Berlin Partner. Was ich persönlich am Adlershof schätze, ist, dass es sich hier um eine echte Community handelt – und nicht bloß um einen Ort, an dem gearbeitet wird. 

 



 

3. Für wen bieten die neuen Räumlichkeiten Platz? Welche Abteilungen, wie viele Arbeitsplätze und Mitarbeitende, einschließlich BioNTech, haben ihren Standort im neuen Gebäude? Und wie ist die Atmosphäre am neuen Arbeitsplatz? 

JPT ist komplett in das neue Gebäude umgezogen, das wir stolz „The HoP“ getauft haben, das House of Peptides bzw. Haus der Peptide. Unser Kerngeschäft sind die chemische Synthese von und Dienstleistungen im Zusammenhang mit Peptiden, und sämtliche Abteilungen befinden sich jetzt hier in den neuen Räumlichkeiten, einschließlich Verwaltung, Vertrieb, Produktion und Management, die vorher über mehrere verschiedene Gebäude verteilt waren. 

Das wir alles unter einem Dach zusammengebracht haben, ist einer der offensichtlichsten Vorteile. Die neue räumliche Struktur ist viel besser an die Prozesse in der Herstellung angepasst und hat der Aufsplitterung über mehrere Etagen oder gar Gebäude ein Ende gemacht. Das spart Zeit, verbessert die Kommunikation und gewährleistet nahtlosere Übergaben zwischen den Abteilungen. 

Wir haben außerdem in bedeutendem Umfang in Automatisierung investiert, um unsere Prozesseffizienz und Arbeitsplatzsicherheit zu steigern. Gleichzeitig war das Wohlbefinden der Mitarbeitenden ein weiterer wesentlicher Gesichtspunkt. Das Gebäude bietet Sozialräume, Think Tanks, komfortable Büros, eine klimatisierte Umgebung und eine Cafeteria auf der Dachterrasse. Von da oben genießen wir eine einzigartige Aussicht auf den Landschaftspark Johannistal und die Skyline im Berliner Osten – grasende Schafe und der Fernsehturm sind Teil des gleichen Panoramas. Diese Kombination schafft eine ganz besondere Arbeitsatmosphäre. 

4. Sie können auf eine lange und erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurückblicken. Nach der Gründung im Jahr 2004 wurden Sie 2009 eine 100%ige Tochter der BioNTech SE. Was waren die wichtigsten (Standort-)Faktoren, die zu diesem Erfolg geführt haben? 

Nach der Gründung im Jahr 2004 hatte sich JPT zu einem unabhängigen Wirtschaftsunternehmen und Zulieferer der globalen Life-Science-Community entwickelt. 2009 wurden wir dann zu 100 Prozent von der BioNTech SE übernommen. Unser Erfolg gründet auf umfassender technologischer Expertise und einem starken Innovationsfokus. 

Basis für die Gründung von JPT war seine proprietäre Hochdurchsatz-Peptidsynthesetechnologie, die eine Herstellung von Tausenden von Peptiden pro Tag ermöglicht. Diese Kapazitäten eröffneten völlig neue Möglichkeiten, insbesondere in der Ära der Sequenzierung des menschlichen Genoms. In diesem Zusammenhang war JPT auch Partner im Human Proteome Project. 

Im Laufe der Jahre haben wir unser Portfolio durch technische Innovationen in Bereichen wie quantitative Proteomik, Immunmonitoring und Impfstoffentwicklung kontinuierlich erweitert. Wir sind stolz darauf, dass wir eines der ersten Unternehmen waren, das Peptidbibliotheken für SARS-CoV-2 anbieten und so die COVID-19-Forschung weltweit unterstützen konnte. 

Zuletzt haben wir TravirtideTM auf den Markt gebracht, ein neu patentiertes Peptid, das für Zell- und Gentherapielösungen entwickelt wurde. Ich denke, unser Erfolg beruht auf einer Kombination aus technologischem Weitblick, kontinuierlicher Innovation, solider Expertise in der Herstellung und einem kompromisslosen Bekenntnis zur Qualität. 

5. Wie sehen Sie die Zukunft von Peptidtechnologien in den Bereichen Medizin und Biotechnologie? 

Peptidtechnologien treten gerade in eine sehr spannende Phase ein. Lange Zeit galten Peptide hauptsächlich als Forschungswerkzeuge, aber heute werden sie zunehmend als potente therapeutische Ermöglicher betrachtet. Fortschritte in den Bereichen Synthese, Formulierung, Verabreichungstechnologie und Analytik haben die Möglichkeiten erheblich erweitert. Ihre hohe Spezifität, günstige Sicherheitsprofile und ihr modulares Design machen Peptide besonders attraktiv für Kombinationstherapien und Ansätze in der Präzisionsmedizin. 

Aus biotechnologischer Sicht wird die Fähigkeit, Peptide in großem Maßstab und mit hoher Qualität und Geschwindigkeit herzustellen, zu einem entscheidenden Differenzierungsmerkmal. Hochdurchsatzplattformen, Automatisierung und datengesteuertes Design verändern die Entdeckung und Entwicklung von Peptiden, während nachhaltige Herstellung und GMP-konforme Prozesse die klinische Umsetzung weiter beschleunigen werden. 

Ich bin überzeugt, dass Peptide als Brückentechnologie zwischen Chemie, Biologie und digitaler Innovation fungieren und ein wesentlicher Bestandteil von Medikamenten der nächsten Generation sein werden. Mit der passenden Infrastruktur, geeigneten Talenten und einem entsprechenden Ökosystem sind Standorte wie Berlin hervorragend positioniert, um bei der Gestaltung dieser Zukunft eine führende Rolle zu spielen. 


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