Neue Erkenntnisse zur personalisierten Behandlung seltener Kiefertumore

Molekulare Tumordiagnostik und zielgerichtete Therapien ermöglichen schonendere Operation von Ameloblastomen

 

Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben neue Erkenntnisse für eine schonendere Behandlung von Ameloblastomen gewonnen. Sie haben untersucht, ob die seltenen, gutartigen Kiefertumore sich zunächst mithilfe zielgerichteter Therapien behandeln lassen, um so das Ausmaß belastender Operationen zu reduzieren. Hier beantworten Erstautorin Dr. Dr. Elena Hofmann und Studienleiter Dr. Max Schmidt Fragen zu den Forschungsergebnissen.

Welche wissenschaftliche Fragestellung liegt Ihrer Studie zugrunde?

 

Ameloblastome sind seltene, lokal aggressive Kiefertumore, die oft junge Erwachsene und teilweise auch Kinder betreffen. Sie führen zu funktionellen und ästhetischen Einschränkungen. Ist der Tumor schon vorangeschritten, besteht die Standardtherapie in einer ausgedehnten Entfernung des Kiefers. Um vor einer Operation das Tumorvolumen zu reduzieren, wollten wir herausfinden, ob eine umfassende molekulare Tumordiagnostik den Einsatz zielgerichteter Therapien vor dem Eingriff ermöglicht.

Wie sind Sie vorgegangen?

Wir haben 14 Patient:innen mit Ameloblastomen molekular untersucht. Die Ergebnisse wurden anschließend in einer interdisziplinären molekularen Tumorkonferenz diskutiert und individuelle Therapieoptionen bewertet. Elf Patient:innen erhielten eine zielgerichtete Therapie. Daraufhin haben wir geprüft, wie gut die Tumore auf die Behandlung ansprachen und ob sich der Umfang des operativen Eingriffs verkleinern ließ.

Was haben Sie herausgefunden?

Bei zehn von elf behandelten Patient:innen hat sich der Tumor durch die zielgerichtete Therapie deutlich verkleinert. Bei den bislang vier operierten Patient:innen konnte der Eingriff wesentlich schonender durchgeführt werden als ursprünglich geplant. Wir konnten größere Anteile von Kieferknochen und Zähnen und damit Ästhetik und Funktion erhalten. Das unterstreicht das Potenzial der Präzisionsmedizin bei seltenen Tumoren.

Welches Fazit können Sie ziehen?

Unsere Ergebnisse sprechen dafür, molekulare Tumordiagnostik bereits bei der Diagnose von Ameloblastomen einzusetzen. Zielgerichtete Therapien könnten Tumore vor einer Operation verkleinern und so schonendere Eingriffe ermöglichen. Diese vielversprechenden Ergebnisse müssen nun in prospektiven klinischen Studien bestätigt werden.

 


Kontakt

 

Dr. Dr. Elena Hofmann
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie 
Charité – Universitätsmedizin Berlin

Dr. Max Schmidt
Charité Comprehensive Cancer Center
Charité – Universitätsmedizin Berlin


Links