Im Portrait | NeutroGen Therapeutics will die Behandlung von kritischen Neutropenien verbessern

Mit einer Transfusionstherapie wollen die Gründer von NeutroGen Therapeutics die Behandlung von kritischen Neutropenie voranbringen. Diese Erkrankung tritt häufig im Zusammenhang mit Krebs und Chemotherapien auf. Dabei leiden Betroffene an einer zu geringen Anzahl von wichtigen Immunzellen namens Neutrophile, die für den Schutz vor Infektionen mit Bakterien oder Pilzen verantwortlich sind.

 

Krebspatientinnen und -patienten verlieren infolge ihrer Erkrankung und der damit verbundenen chemotherapeutischen Behandlung essenzielle Immunzellen namens Neutrophile. Neutrophilen sind Immunzellen, die im Knochenmark gebildet werden und essenziell wichtig beim Schutz vor Infektionen durch Bakterien und Pilze sind. Häufig werden sie auch als „erste immunologische Verteidigungslinie des Körpers“ bezeichnet. Sinkt ihre Zahl deutlich, kann dies zu schwerwiegenden Komplikationen bis hin zum Tod des Patienten führen.

Immunkompetenz bei Neutropenien wiederherstellen

Mit dem Ziel die Behandlung von akuten Neutropenien zu verbessern, haben vier Berliner Gründer NeutroGen Therapeutics (NeutroGen) gegründet. Das Biotech-Start-up entwickelt eine Transfusionstherapie, die die fehlenden Neutrophilen kurzfristig ersetzt. In der Regel wird den Folgen der Neutropenie derzeit entweder mit Antibiotika begegnet oder sie wird mit Medikamenten zur Anregung der Neutrophilenbildung behandelt. Einen neuen Ansatz verfolgt NeutroGen: „Neutrophile sind sehr kurzlebig und lassen sich nicht als Primärmaterial transfundieren, wie das zum Beispiel bei roten Blutzellen machbar ist“, erklärt Lorenz Knackstedt, Chief Technology Officer und Mitgründer von NeutroGen. „Daher setzen wir mit unserem Produkt auf eine Transfusionstherapie, bei der laborgezüchtete Neutrophile verwendet werden. Damit wollen wir in erster Linie Phasen von akuter Neutropenie nach einer Chemotherapie besser kontrollierbar machen. Mit derzeitigen Behandlungsmethoden liegt die Mortalität stationär behandelter Patienten bei circa 10 Prozent. Jährlich treten weltweit ungefähr eine Millionen Fälle von Neutropenie in Verbindung mit einer Chemotherapie auf, die Behandlungskosten werden auf circa zehn Milliarden US-Dollar geschätzt. Unsere Therapie soll sowohl Mortalität und Morbidität der Patient*innen signifikant senken.“

Die Initiative zur Gründung von NeutroGen geht auf Borko Amulic zurück. Er hat als Associate Professor in Immunology an der Universität Bristol zu Neutrophilen geforscht und sich die grundlegende Technologie für den Therapieansatz von NeutroGen patentieren lassen. Zusammen mit Lorenz Knackstedt, Holger Münchmeyer und Felix Dietrich gründete er 2024 NeutroGen in Berlin. „Wir haben unser Gründungsteam so zusammengestellt, dass wir alle Aspekte eines Start-ups abdecken. Wir kombinieren betriebswirtschaftliche Expertise mit wissenschaftlicher Exzellenz, mit dem Ergebnis, dass sich jeder auf sein Spezialgebiet konzentrieren kann“, so Knackstedt.

Finanzierung durch B#

Nach zwei Jahren Aufbauarbeit, gab die erfolgreiche erste Finanzierungsrunde durch den Pre-Seed-Fonds B# – „be sharp” – von IBB Ventures den Startschuss zur operativen Umsetzung. Der Fonds wurde erst im Oktober vergangenen Jahres aufgelegt und konzentriert sich auf Investments in Deep-Tech-Gründungen in der besonders herausfordernden frühen Phase. NeutroGen ist das erste Start-up, das eine Finanzierung aus diesem Fonds erhalten hat. „Für uns war diese Finanzierung entscheidend, um nach zwei Jahren weitermachen beziehungsweise vollumfänglich loslegen zu können. Für die Zukunft sind wir jetzt auf der Suche nach weiteren Investoren“, betont Mitgründer und Co-CEO Holger Münchmeyer. Nach der Finanzierung konnte NeutroGen Räume im Bayer Co.Lab Berlin mieten, zudem ist eine erste wissenschaftliche Mitarbeiterin zum Team hinzugekommen. Am Bayer-Co.Lab schätzen die Gründer vor allem, dass sie auf vorhandene Infrastruktur zurückgreifen können und die Möglichkeit zum Netzwerken mit anderen innovativen Firmen aus den Life Sciences.

Forschung und Finanzierung

In der nahen Zukunft wird es bei NeutroGen neben Anschlussfinanzierungen hauptsächlich um die Arbeit am Produkt gehen. „Unser Ziel ist es, in den kommenden drei Jahren eine Clinical Trial Application einzureichen und dann mit der klinischen Validierung zu beginnen. Konkret heißt das, dass wir die Herstellung der Neutrophilen von einem R&D-Prozess auf einen skalierbaren GMP-Prozess umstellen, der es uns erlaubt das Produkt in klinisch relevanten Mengen herzustellen. Darauf konzentrieren wir uns zurzeit“, erläutert Lorenz Knackstedt.

Für die Suche nach Anschlussfinanzierung dient unter anderem das neue Investival bio:cap vom 9. bis 11.Juni in Berlin. NeutroGen wurde zusammen mit drei weiteren Start-ups im Rahmen der „Start-up Booth competition“ von bio:cap ausgewählt, sich auf dem Investival kostenfrei mit einem eigenen Stand zu präsentieren und sich in einem 8-Minuten-Pitch auf der Start-up-Bühne vorzustellen.

Insgesamt sind die Gründer von NeutroGen mit der Starthilfe und Begleitung, die sie am Standort Berlin erfahren haben, sehr zufrieden. Holger Münchmeyer beschreibt es so: „Wir haben gespürt, dass dem politischen Willen, ein Biotech-Ökosystem in Berlin aufzubauen, auch praktisch etwas folgt. Nach der Finanzierung durch IBB Ventures B#, gibt es viele weitere Programme, auf die wir für die Zukunft große Hoffnungen setzen. Zudem wurden wir von vielen Seiten während der Anfangszeit unterstützt, unter anderem auch durch HealthCapital, die uns beispielsweise mit Informationen zu Fördermöglichkeiten, in der Vernetzung zu relevanten Stakeholdern und der grundsätzlichen Kommunikation zur Seite standen.“

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