Charité reduziert Versuchstierzahlen und startet Projekt für mehr Tierwohl

BMFTR gefördertes Verbundprojekt soll schonende Verfahren schneller in die Praxis bringen

Anlässlich des heutigen Internationalen Tags des Versuchstiers veröffentlicht die Charité – Universitätsmedizin Berlin ihre Versuchstierzahlen für das Jahr 2025. Gleichzeitig startete am 1. April mit dem bundesweiten Verbundprojekt TRACKIN eine neue, vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte Initiative, die gezielt zur Verbesserung des Tierwohls und der Forschungsqualität beitragen soll.

 

Steigende Forschungsaktivitäten, weniger Versuchstiere

Für das Jahr 2025 meldeten die Forschenden der Charité insgesamt 40.084 Versuchstiere, die im Kontext biomedizinischer Forschungsfragen eingesetzt wurden. Dies sind 3.862 Tiere weniger als im Vorjahr. Der überwiegende Anteil der verwendeten Tierarten entfällt auf Mäuse und Ratten; in geringerem Umfang kommen auch größere Tierarten wie Schweine oder Schafe zum Einsatz, beispielsweise in der kardiovaskulären Forschung.

Die aktuellen Zahlen verdeutlichen die zentrale Herausforderung der biomedizinischen Forschung: Einerseits ist der Einsatz von Tieren in bestimmten Bereichen nach wie vor notwendig, andererseits arbeiten Forschungseinrichtungen kontinuierlich daran, die Anzahl der Tiere weiter zu reduzieren, zu ersetzen oder die Belastung für die Tiere zu minimieren. Dieses Prinzip ist als 3R-Ansatz (Replace, Reduce, Refine) international etabliert und Bestandteil der Tierschutzgesetzes.  

„Die Entwicklung der Versuchstierzahlen über die letzten Jahre zeigt, dass Fortschritte möglich sind. Trotz steigender Forschungsaktivitäten ist es gelungen, den Einsatz von Tieren zu reduzieren und Belastungen zu verringern“, sagt Prof. Joachim Spranger, Dekan der Charité. Er ergänzt: „Gleichzeitig braucht es sowohl die konsequente Weiterentwicklung humanbasierter Krankheitsmodelle als auch Verbesserungen im bestehenden System, um das Tierwohl weiter zu stärken und die Qualität der Forschung zu sichern.“

Neues Projekt stärkt schonendere Methoden (Refinement)

Ein zentraler Baustein dieser Weiterentwicklung ist das neue Verbundprojekt TRACKIN (Training for Refinement, Laboratory Animal Care and Knowledge Implementation), das jetzt an der Charité gestartet ist. Das Projekt wird im Rahmen der Förderlinie „Alternativen zum Tierversuch“ mit rund 620.000 Euro durch das BMFTR für insgesamt drei Jahre gefördert.

Gemeinsam mit der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf baut die Charité mit TRACKIN ein deutschlandweites Trainings- und Vernetzungssystem auf. „Ziel ist es, systematisch schonendere Methoden im Tierexperiment zu vermitteln, zu standardisieren und langfristig in der Forschungspraxis zu verankern“, sagt Projektpartner Dr. André Dülsner, Tierschutzbeauftragter an der Charité, Tierarzt der Forschungseinrichtungen für experimentelle Medizin (FEM) und Mitglied der Taskforce Refinement.

Daneben steht die Entwicklung eines bundesweiten Kurssystems für verbesserte Handlings- und Applikationstechniken bei Mäusen und Ratten. Ergänzend entsteht ein Netzwerk von Expertinnen und Experten, das den Austausch zwischen Forschungseinrichtungen, Tierhaltungen und Kompetenzzentren stärken soll. Eine digitale Plattform wird Fachwissen und Schulungsmaterialien bündeln und den niederschwelligen Zugang zu wissenschaftlich fundierten Methoden erleichtern.

„Mit TRACKIN schaffen wir eine strukturierte Grundlage, um Refinement-Methoden im Tierexperiment breit zugänglich zu machen und nachhaltig in der Forschung zu verankern“, sagt Dr. Lisa Grohmann, Charité 3R Koordinatorin für Ausbildung und Support und TRACKIN-Projektkoordinatorin seitens der Charité.

Vernetzung als Schlüssel für nachhaltige Verbesserung

Ein besonderer Fokus des Projekts liegt darauf, auch kleinere Einrichtungen und weniger forschungsstarke Standorte zu erreichen. Standardisierte Schulungsmaterialien und niedrigschwellige Zugänge zu Expertise sollen dazu beitragen, neue Methoden schneller und breiter zu implementieren.

„Die bundesweite Vernetzung ist ein entscheidender Faktor für nachhaltige Verbesserungen“, ergänzt Dr. Stefan Nagel-Riedasch, Leiter der Forschungseinrichtungen für experimentelle Medizin. „TRACKIN bringt kompetente Akteure zentral zusammen und fördert so auch die Harmonisierung zwischen forschenden Einrichtungen auf hohem wissenschaftlichem Niveau.“

An der Charité sind Charité 3R, die Forschungseinrichtungen für Experimentelle Medizin (FEM), die Taskforce Refinement sowie die Monitoring & Evaluation Unit des BIH QUEST Center for Responsible Research an der Umsetzung beteiligt.

Transparenz und Einblick in die Forschung

Die Charité ist seit 2021 Teil der bundesweiten „Initiative Transparente Tierversuche“ und setzt sich für eine offene Kommunikation über tierexperimentelle Forschung ein. Ziel ist es, sachlich über Hintergründe, Rahmenbedingungen und Entwicklungen zu diesem Thema zu informieren. Weitere Informationen zu Zahlen und Fakten sowie Einblicke in die Tierhaltung und aktuelle Forschungsprojekte bietet die Webseite von Charité 3R. Dort stehen unter anderem auch Filmbeiträge zur Versuchstierhaltung und -zucht an der Charité zur Verfügung.

 

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