Meilenstein für interdisziplinäre Spitzenforschung: TU Berlin eröffnet IMoS-Gebäude auf dem Campus Ost in Charlottenburg
Die TU Berlin hat am 10. September 2026 das neue Interdisziplinäre Zentrum für Modellierung und Simulation (IMoS) auf dem östlichen Teil des Campus Charlottenburg feierlich eröffnet. Auf sechs Etagen und einer Bruttogrundfläche von 11.464 Quadratmetern bietet der Forschungsneubau Platz für Wissenschaftler*innen aus Mathematik, Informatik, Natur-, Geistes- und Ingenieurwissenschaften. Das IMoS wurde gezielt für die fachübergreifende Zusammenarbeit konzipiert und stellt die theoretisch-methodische Forschung und den Austausch zwischen den Disziplinen in den Mittelpunkt.
Zur Eröffnung sprachen Dr. Henry Marx, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung, und Prof. Petra Kahlfeldt, Senatsbaudirektorin und Staatssekretärin für Stadtentwicklung, über die Bedeutung des neuen Forschungsbaus für den Wissenschaftsstandort Berlin.
„Mathematische Modellierung und Simulation sind Schlüsseltechnologien für unsere Zukunft. Das IMoS bündelt interdisziplinäre Spitzenforschung, leistungsfähige Recheninfrastruktur und spezialisierte Labore – und schafft damit beste Voraussetzungen, um komplexe Systeme besser zu verstehen, Entwicklungszyklen zu verkürzen und Forschung schneller in neue Technologien zu übersetzen. Berlin unterstützt dieses Zukunftsprojekt mit 17,3 Millionen Euro. Das IMoS ist Teil einer größeren Entwicklung: Gemeinsam mit dem neuen Mathematikgebäude und dem geplanten CIPHOR wächst in Charlottenburg ein neuer Teil des TU-Campus. Für mich ist das ein starkes Signal: Berlin spricht nicht nur über die Zukunft – wir schaffen ganz konkrete Voraussetzungen“, sagt Dr. Henry Marx, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung.
„Das neue Forschungsinstitut für Modellierung und Simulation ist ein zentraler Baustein auf dem neuen Campus Ost der Technischen Universität Berlin. Mit rund 5.700 Quadratmeter Nutzfläche schafft es exzellente Forschungsbedingungen und setzt architektonisch ein deutliches Zeichen. Das neue Gebäude nach dem Entwurf von Code Unique Architekten hat eine große Durchlässigkeit, eine klare städtebauliche Präsenz und eine hohe Aufenthaltsqualität. In direkter Nachbarschaft wird derzeit das Mathematikgebäude baulich fertiggestellt, das im nächsten Jahr in Betrieb gehen wird. Das angrenzende Physikgebäude befindet sich derzeit in der Planungsphase. So entstehen ressourcenschonende, energieeffiziente und gut gestaltete Wissenschaftsgebäude durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen“, hebt Prof. Petra Kahlfeldt, Senatsbaudirektorin und Staatssekretärin für Stadtentwicklung hervor.
TU-Präsidentin Prof. Dr. Fatma Deniz betonte anschließend, wie wichtig es für die Hochschulentwicklung ist, vorhandene Kompetenzen sichtbar zu machen und Forschenden die richtigen Rahmenbedingungen zu geben. „Mit dem IMoS entsteht weit mehr als ein neues Forschungsgebäude: Es schafft einen Ort, an dem Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen ihre Expertise zusammenbringen und gemeinsam an komplexen gesellschaftlichen und technologischen Fragestellungen arbeiten. Modellierung, Simulation und Optimierung eröffnen dabei neue Möglichkeiten, etwa für eine klima- und verkehrsgerechte Stadtplanung oder innovative Anwendungen im 3D-Druck. Zugleich ist das IMoS ein wichtiger Baustein für die Entwicklung des Campus Ost und stärkt die TU Berlin als Standort interdisziplinärer Spitzenforschung.“
Das IMoS ist das erste Forschungsgebäude der TU Berlin, das im Rahmen des gemeinsamen Förderprogramms von Bund und Ländern für Forschungsbauten nach Artikel 91b des Grundgesetzes beantragt wurde. Ergänzend zu den Mitteln von Bund und Land Berlin hat die TU Berlin den Neubau mit rund 40,4 Millionen Euro kofinanziert. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 75 Millionen Euro.
Forschung über Fachgrenzen hinweg
Modellierung und Simulation spielen in immer mehr Wissenschafts- und Anwendungsfeldern eine zentrale Rolle. Mathematische Modelle und Computersimulationen helfen beispielsweise dabei, industrielle Prozesse zu optimieren, neue Materialien zu entwickeln oder Energiesysteme zu untersuchen. Auch für Künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge – digitale Abbilder realer Objekte und Prozesse – sind Modellierung und Simulation von großer Bedeutung.
„Die Herausforderungen, die wir zum Nutzen der Gesellschaft analysieren, modellieren und simulieren, kann heute kein einzelner Forschender mehr allein bewältigen. Im IMoS bringen wir deshalb hoch talentierte Menschen aus verschiedenen Disziplinen zusammen und schaffen den Raum, in dem sie sich austauschen und gegenseitig inspirieren können. Meine Hoffnung ist, dass daraus Neues und Wegweisendes entsteht – und das IMoS zu einem Leuchtturm-Projekt wird, das auf die gesamte TU Berlin ausstrahlt und zeigt, wie innovativ Berlin als Stadt der Wissenschaft sein kann“, sagt Prof. Dr. Volker Mehrmann, Leiter des Fachgebiets Numerische Mathematik der TU Berlin und Koordinator des IMoS.
Auch die Architektur des IMoS passt sich an die Idee der Zusammenarbeit an: Während die Büroräume vergleichsweise kompakt gehalten sind, stehen auf den Etagen großzügige Kommunikationsbereiche für spontane Treffen und gemeinsames Arbeiten zur Verfügung. Hinzu kommen flexibel nutzbare Forschungslabore, Seminar- und Konferenzräume sowie 3D-Labore mit immersiver Visualisierung und Anlagen für 3D-Druck. Die Pläne stammen von Code Unique Architekten aus Dresden. Planung und Realisierung folgten dem Leitfaden Nachhaltiges Bauen mit dem Ziel einer Silber-Zertifizierung.
Auftakt für den neuen Campus Ost
Das IMoS ist das erste von drei neuen Forschungsgebäuden auf dem Campus Ost der TU Berlin in Charlottenburg. In unmittelbarer Nachbarschaft entsteht derzeit der Neubau für das Institut für Mathematik, der Ende 2026 fertiggestellt und 2027 in Betrieb genommen werden soll. Ein weiterer Neubau für die Physik mit dem Center for Integrated Photonics Research (CIPHOR) ist in Planung. Bereits am 1. Juni 2026 war das fertiggestellte IMoS in einem symbolischen Akt von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen an die TU Berlin übergeben worden. Seitdem sind erste Forschungsgruppen und Einrichtungen in das Gebäude eingezogen.
Im Rahmen der Eröffnung wurde das Kunstwerk „21 Stelen“ der Künstlerin Siham Issami im Innenhof des IMoS eingeweiht. Es geht auf einen europaweit offenen Kunst-am-Bau-Wettbewerb für die Neubauten des IMoS und des Instituts für Mathematik zurück.
Weitere Informationen
- „Ein Leuchtturm-Projekt, das auf die gesamte TU Berlin ausstrahlt“. Interview mit Prof. Dr. Volker Mehrmann über das IMoS: Zum Interview
- „Eigenbrötler sind am IMoS falsch aufgehoben“ – Einblicke in Idee, Forschung und Raumkonzept des neuen Zentrums: Zum Beitrag
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- Über die Campusentwicklung und Neubauten an der TU Berlin