Interview | Prof. Annette Künkele-Langer, Leiterin des BeCAT
Zu den wichtigsten Innovationen im Gesundheitsbereich zählen Gen- und Zelltherapien – sogenannte Advanced Therapy Medicinal Products (ATMP). Sie gelten als Hoffnungsträger bei der Behandlung von Krebs, Autoimmun- und neurodegenerativen Erkrankungen sowie vielen seltenen genetischen Krankheiten. In diesem Jahr wurde am Charité-Standort Campus Virchow-Klinikum das Berlin Center for Advanced Therapies (BeCAT) eröffnet. In dem Neubau wurden strukturelle und räumliche Voraussetzungen geschaffen, um innovative ATMP-Therapien von hoher wissenschaftlicher und technologischer Qualität aus dem Labor in die Praxis zu bringen. Wir haben mit der Leiterin des BeCAT, Prof. Annette Künkele-Langer, über die Einrichtung und die Pläne für die Zukunft gesprochen.

1. Das BeCAT wird eng mit Forschenden zum Beispiel aus der Charité, dem Berlin Institut of Health (BIH), dem Max Delbrück Center (MDC) oder dem Simulierten Menschen (Si-M) zusammenarbeiten. Wird es auch eine Zusammenarbeit in der Entwicklung und Anwendung von ATMP mit Unternehmen geben und wie wird diese aussehen?
Das BeCAT arbeitet bereits jetzt bei der Entwicklung von ATMPs mit Unternehmen zusammen. Dabei geht es sowohl um die Entwicklung von ATMPs, aber auch um die Entwicklung von Technologien, die wir beispielsweise zur Herstellung von ATMPs benötigen. Diese Kooperationen sind für beide Seiten, aber vor allem auch für die PatientInnen von großer Bedeutung.
2. Das BeCAT wurde im April 2026 eröffnet und Ende September fand das Opening Symposium statt. Was werden die ersten Projekte sein, die umgesetzt werden und welche Meilensteine will das BeCat in den kommenden Jahren erreichen?
Die Inbetriebnahme des neuen BeCAT Gebäudes ist an sich schon das erste große Projekt. Bislang gibt es an der Charité keine pharmazeutische Herstellungsstätte dieser Größe und Komplexität, so dass es viel zu etablieren gibt. Die ersten Prüfpräparate, die im BeCAT hergestellt werden, sind sogenannte CAR-T-Zellen, also weiße Blutkörperchen, die genetisch so verändert werden, dass sie Tumorzellen erkennen und zerstören können. Unser erster Meilenstein ist die Erlangung der ersten Herstellungserlaubnis für das neue BeCAT Gebäude und natürlich im Anschluss die Herstellung des ersten Prüfpräparats für einen Patienten oder eine Patientin.
3. Wird es auch gemeinsame Projekte mit dem Si-M geben?
Sicherlich wird es gemeinsame Projekte mit dem Si-M geben. Ideen in Bezug auf die Entwicklung von Modellen, die zur präklinischen Evaluation und Charakterisierung der fürs BeCAT geplanten Prüfpräparate genutzt werden sollen, wurden bereits diskutiert.
4. Das BeCAT soll ebenfalls eng vernetzt mit dem Berlin Center for Gene and Cell Therapies (BC GCT) zusammenarbeiten. Wie wird diese Zusammenarbeit konkret ausgestaltet sein?
Es gibt bereits jetzt einen engen Austausch mit den Kollegen vom BIH, von Bayer und auch von ProBioGen, das Unternehmen, welches die GMP-Anlage des BC GCT betreiben wird. Wir tauschen Erfahrungen und Expertisen aus, die man für die Planung und Inbetriebnahme neuer GMP-Anlagen benötigt. Da es vermutlich auch Prüfpräparate geben wird, die nach einer erfolgreichen Phase I oder II, Teil einer Ausgründung sein werden und somit ins BC GCT umziehen könnten, ist es außerdem wichtig, dass wir eng im Austausch bleiben. Wir müssen uns abstimmen, welche Technologien an beiden Herstellungsstätten etabliert werden sollten und aber auch wo es sinnvoller ist, sich komplementär aufzustellen. Das Ziel ist, die Kräfte zu bündeln und sich gegenseitig zu unterstützen.
Weiterführende Links:
- Webseite BeCAT
- Spezialthema | Si-M und BeCAT – Berliner Forschungszentren für innovative Therapieentwicklung