Interview: Dr. Ulrich Reineke, Co-Founder 3B Pharmaceuticals

Der Berliner Nuklearmedizin-Spezialist 3B Pharmaceuticals GmbH hat den Mega-Deal seiner achtjährigen Firmengeschichte geschlossen. Er lizensierte sein Radiopharmazeutikum 3BP-227 an den französischen Pharmakonzern Ipsen aus. Dieser soll das Entwicklungsprojekt zur Behandlung unter anderem bestimmter Pankreas- und Bronchialkarzinome nun zur Marktreife bringen. Co-Founder und Geschäftsführer Dr. Ulrich Reineke ist überzeugt, dass damit das "Baby" des Unternehmens in besten Händen ist. Im Interview erklärt der Biochemiker die Funktionsweise des Radiopharmazeutikums und spricht über die Chancen der Nuklearmedizin.

Herr Dr. Reineke, Sie haben Ihr Entwicklungsprojekt 3BP-227 an den französischen Pharmakonzern Ipsen auslizenziert. Was heißt das konkret für Ihr Unternehmen?
Es ist der bisher wichtigste Meilenstein in unserer achtjährigen Firmengeschichte und ein toller Erfolg.  Wir sind überzeugt, dass wir mit Ipsen als Lizenznehmer einen hervorragenden Partner gefunden haben, da sich das Unternehmen stark in der Nuklearmedizin engagiert und eine hohe klinische Entwicklungskompetenz hat. Damit haben wir unser „Baby“ 3BP-227 in gute Hände gegeben.  Darüber hinaus sichert diese Transaktion auch die Entwicklung unseres Unternehmens in den kommenden Jahren. Wir haben viele weitere Entwicklungen und Projekte in der Pipeline, die wir nun weiter vorantreiben können.

Was verbirgt sich hinter dem Namen 3BP-227?
Die Bezeichnung steht zum einen für unseren Firmennamen und die 227 erklärt, dass es sich dabei um die 227. Substanz in dem Projekt handelt.  Diese Substanz ist ein Radiopharmazeutikum, das als Antagonist des Neurotensin Rezeptors 1 agiert. Der Rezeptor wird auf den Tumoren und Metastasen von Patienten mit Pankreaskarzinomen und verschiedenen anderen Krebsarten exprimiert. Der Nutzen von 3BP-277 liegt darin, dass es einen theragnostischen Ansatz ermöglicht und sich sowohl zur Diagnose als auch zur Therapie eignet. Das richtet sich danach, welches Radioisotop an das Molekül angehängt wird. Es wird intravenös gespritzt, verteilt sich im Körper und reichert sich im Tumor an. Überschüssiges 3BP-227 wird wieder ausgeschieden. Diagnostische Radioisotope, die g-Strahlen oder Positronen emittieren, dienen der Lokalisation der Tumoren in tomographischen Verfahren (SPECT oder PET). Die Markierung der Sonden mit einem therapeutischen Isotop (β--Emitter) ermöglicht den Einsatz der Sonden zur Tumortherapie, bei der die Strahlung des Isotops das umliegende Tumorgewebe zerstört.

Worin liegen die Vorteile dieser Methode?
Die radiotherapeutische Zerstörung der Tumoren ist außerordentlich wirksam. Außerdem können Dank des theragnostischen Ansatzes  diejenigen Patienten identifiziert werden, die von der Therapie profitieren werden. Durch diese Personalisierung werden Patienten unnötige Behandlungen erspart und die Mittel der Gesundheitssysteme effizienter eingesetzt. Ein weiterer Vorteil ist, dass dieses zielgerichtete, radiopharmazeutische Verfahren mit sehr viel weniger Nebenwirkungen als bei einer Chemotherapie verbunden ist. Der Patient muss pro Behandlung nur ein bis zwei Tage in der nuklearmedizinischen Klinik bleiben. Wie viele dieser Zyklen dann notwendig sein werden, wird sich in der klinischen Prüfung zeigen.

Nuklearmedizin und Onkologie – Wie stellt sich die Gegenwart, wie die Zukunft in diesen beiden Feldern dar?
Die Nuklearmedizin hat eine lange Geschichte. Man denke an die Radiojodtherapie, die bereits seit den 1940er-Jahren bei Tumoren der Schilddrüse angewendet wird. Doch sie führte auch lange ein Schattendasein, weil sie zwar wirksam aber aufgrund einer begrenzten Anzahl zugelassener Radiopharmazeutika nur eingeschränkt einsetzbar war. Das ändert sich seit einiger Zeit mit neuen Entwicklungen. Das Interesse der Pharmaindustrie an der Nuklearmedizin ist erfreulicherweise deutlich gestiegen und nimmt aufgrund erfolgreicher neuer Entwicklungen weiter zu. So ist jetzt ein idealer Zeitpunkt, die entsprechende Forschung und Entwicklung voranzutreiben. Mit dem Radiotherapeutikum Xofigo von Bayer und dem Radiodiagnostikum Neuraceq von Piramal Imaging hatten erfreulicherweise zwei in Berlin ansässige Firmen Erfolge bei der Zulassung neuer nuklearmedizinischer Produkte zu verzeichnen. Aus der Berliner Perspektive ist auch zu erwähnen, dass Ipsen im letzten Jahr das Bucher Nuklearmedizin-Unternehmen Octreopharm Sciences akquiriert hat und mit der Eckert & Ziegler ein weltweit führender Hersteller und Dienstleister in diesem Bereich hier ansässig ist. Dieses Umfeld ist sehr ermutigend und hilfreich.

Was sind die nächsten Ziele/Herausforderungen von 3B Pharmaceuticals?
Wie bereits erwähnt, haben wir weitere Entwicklungen in der Pipeline, die wir dank der aus dem Lizenzvertrag resultierenden Zahlungen vorantreiben können. Denkbar ist auch, dass wir die nächsten Projekte eigenständig in die frühe klinische Entwicklung bringen. Entscheidend ist natürlich, dass Ipsen 3BP-227 erfolgreich klinisch entwickelt, so dass wir die zukünftigen, erfolgsabhängigen Zahlungen aus dem Lizenzvertrag realisieren können.

Inwieweit profitiert 3B Pharmaceuticals von dem Standort Berlin-Brandenburg?
Berlin ist dynamisch, innovativ und profitiert in unserer Branche von den hervorragenden F&E-Einrichtungen. Das macht es uns auch einfach, neue Mitarbeiter zu gewinnen, weil Berlin einfach attraktiv ist. Ganz speziell haben wir mit dem Technologiepark Adlershof mit dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Campus der Humboldt-Universität hier im Südosten der Stadt einen tollen Standort.

Weitere Informationen zu 3B Pharmaceuticals: www.3b-pharma.com