Im Portrait | Der Green Health Accelerator bringt Climate-Tech ins Gesundheitswesen

Der Green Health Accelerator bringt nachhaltige Lösungen etablierter Climate-Tech-Unternehmen aus anderen Branchen ins Gesundheitswesen. In einem sechsmonatigen Programm lernen die Unternehmen das Gesundheitswesen besser zu verstehen, ihre Lösungen anzupassen und entwickeln Pilotprojekte.

 

Im Gesundheitswesen bestimmen oft Kostendruck, Fachkräftemangel und fehlende Planungssicherheit den Alltag. Laut dem Krankenhaus-Barometer 2025 des Deutschen Krankenhausinstituts schrieben 66 Prozent der befragten Häuser im Jahr 2024 Verluste, für 2025 erwarteten 71 Prozent ein negatives Jahresergebnis. Steigende Preise und knappe Budgets erschweren es den Kliniken, in neue Technik und nachhaltige Prozesse zu investieren.  

Parallel lastet ein ökologischer Handlungsdruck auf dem Gesundheitswesen. Rund 4,4 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen entfallen nach Angaben des „Health care climate footprint report“ auf den Gesundheitssektor. Für Deutschland gibt die Bundesärztekammer den Anteil an den nationalen Emissionen mit 5,2 Prozent an. Krankenhäuser spielen dabei eine besondere Rolle. Sie sind rund um die Uhr in Betrieb, müssen hohe Hygiene- und Klimatisierungsanforderungen erfüllen und nutzen daher energieintensive Gebäude- und Medizintechnik.

 



Etablierte Nachhaltigkeitslösungen in den Gesundheitsmarkt bringen 

In diesem Spannungsfeld zwischen ökonomischem und ökologischem Handlungsdruck setzt das Programm des Green Health Accelerators an. Er verbindet Climate-Tech-Unternehmen mit dem Gesundheitswesen. Ziel ist es, deren Produkte und Geschäftsmodelle so weiterzuentwickeln, dass sie in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen eingesetzt und in konkreten Pilotprojekten erprobt werden können.  

So soll der Umwelt und den Einrichtungen aus dem Gesundheitswesen geholfen werden, denn Energieeffizienz, weniger Abfall oder eine optimierte Logistik sind nicht allein Fragen des Klimaschutzes. Sie können auch helfen, laufende Kosten zu senken und knappe personelle Ressourcen aufzufangen. Der Accelerator ist Teil des öffentlich geförderten Programms „Nachhaltig wirken – Förderung gemeinwohlorientierter Unternehmen“, gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die Europäische Union und den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus). 

Das Programm ist ohne Beteiligungsabgabe (equity-free) und richtet sich nicht an junge Unternehmen, die mit ihrer Geschäftsidee ganz am Anfang stehen, sondern an etablierte Impact-Start-ups und Scale-ups, die bereits marktreife Lösungen anbieten. „Die Unternehmen, die wir begleiten, müssen im Gesundheitswesen nicht bei null anfangen, denn ihre Lösungen funktionieren bereits in anderen Industrien. Unsere Aufgabe ist es, ihnen die Übersetzung in einen der komplexesten und zugleich wichtigsten Märkte Deutschlands zu ermöglichen“, sagt Stefanie van Laak, Projektleiterin des Green Health Accelerators. 

In Bezug auf die Schwerpunkte, die Unternehmen in das Programm einbringen können, ist der Accelerator breit aufgestellt und nennt folgende: Energieeffizienz, intelligentes Gebäudemanagement, Prozesseffizienz in Klinikabläufen, Abfallmanagement und Kreislaufwirtschaft, nachhaltige Materialien und nachhaltige Mobilität. 

 



Sechs Monate bis zum Pilotprojekt 

Das Programm ist auf sechs Monate angelegt und unterteilt sich in zwei Phasen. In den ersten drei Monaten geht es darum, das Fundament für einen Markteintritt im Gesundheitswesen zu legen. Die teilnehmenden Unternehmen lernen, wie Kliniken arbeiten, was sie benötigen und wie sie Entscheidungen treffen, Budgets verteilen und Lösungen beschaffen. Den Auftakt macht ein zweitägiges Bootcamp, das in der Metropolregion Berlin Brandenburg oder in anderen Bundesländern wie beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern oder in der Region Lausitz stattfindet. Im Anschluss bietet das Programm auch remote-orientierte Zusammenarbeit und individuelles Coaching. Die Erkenntnisse aus Workshops, Expert Panels, Klinikbesuchen und regelmäßigen Einzelgesprächen sollen am Ende der ersten Phase zu einem Pilotprojekt-Entwurf führen.  

In der zweiten Phase geht es schrittweise in die Praxis. Der Accelerator bringt die Unternehmen mit Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und weiteren Partnern zusammen, die für einen Praxistest infrage kommen. Aus diesem „Matchmaking“ soll ein konkretes, abgestimmtes Pilotprojekt entstehen, das im besten Fall zu einer dauerhaften Zusammenarbeit führt. Ein abschließendes Showcase-Event bietet den Unternehmen zudem die Möglichkeit, ihre Lösungen vor Fachpublikum und potenziellen weiteren Partnern zu präsentieren. 

Derzeit durchlaufen 17 Unternehmen aus ganz Deutschland das Programm des Green Health Accelerators. Mit dabei aus Berlin ist etwa die Factor4Solutions GmbH, die digitales Systemmanagement (KI-gestützte Steuerung) für Kälte- und Heizsysteme anbietet. Ein weiterer Berliner Teilnehmer ist Perto: Das Unternehmen liefert ein intelligentes Gebäude- und Energiemanagement mit Echtzeit-Monitoring und Automatisierung von Heizungssystemen. Mit der Omto GmbH aus Berlin nimmt ein Unternehmen teil, das digitale Infrastruktur für den qualifizierten Patiententransport anbietet. Damit werden Kliniken und Transportunternehmen ohne Umwege verbunden. Das spart Zeit und vermeidet unnötige oder doppelt gefahrene Krankentransporte. 

Die aktuellen Unternehmen sind bereits die vierte Kohorte, die den Green Health Accelerator durchläuft. Das Programm ist fokussiert auf Kollaborationen von Climate-Tech-Unternehmen aus ganz Deutschland mit Gesundheitseinrichtungen aus den neuen Bundesländern. Der Accelerator selbst hat seinen Sitz in Senftenberg in Brandenburg und Büros in Berlin. Er wird von der Startup Colors UG durchgeführt – einer 2018 gegründeten Agentur für Innovationsberatung, die auch den Vision Health Pioneers Incubator durchführt. Er wird von der Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH und dem Cluster Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg – HealthCapital unterstützt. Darüber hinaus bestehen enge Partnerschaften zu regionalen Kliniken – etwa zu Vivantes, dem Sana Klinikum Niederlausitz sowie dem UKB in Berlin Marzahn und der Universitätsmedizin Rostock, Greifswald und dem Klinikum Waren. 

 

 

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