Ambulante und stationäre Akutversorgung
In der Region wird Versorgung sektor- und länderübergreifend gedacht mit innovativen Konzepten für eine optimale Versorgung der 6,5 Millionen Einwohner – sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum.
Seit 2014 haben Berlin und Brandenburg eine länderübergreifende Krankenhausplanung. Denn ungeachtet der Unterschiede, die zwischen dem Ballungsraum Berlin und dem Flächenland Brandenburg bestehen, ist das Kooperationspotenzial groß. So gibt es in den Randgebieten eine Patientenwanderung von Brandenburg nach Berlin, aber, zu einem geringeren Teil, auch umgekehrt.
Die Kliniklandschaft in Berlin Brandenburg bietet mit rund 150 Krankenhäusern ein breites und qualitativ hochwertiges Versorgungsangebot in der Region. Dazu gehören Leuchttürme wie die Charité – Universitätsmedizin Berlin, die als größte europäische Universitätsklinik Versorgung, Forschung und Ausbildung integriert. Weiterhin verfügt Berlin mit Vivantes über den größten kommunalen Krankenhauskonzern Deutschlands. Aber auch große gemeinnützige und private Klinikkonzerne wie die Alexianer, die Johannesstift-Diakonie, Helios oder Sana sind in der Region vertreten. Zudem befinden sich in Berlin u. a. ein Bundeswehrkrankenhaus und das BG-Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin.
Mit der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL) befindet sich in der Region zudem eine neue Universitätsmedizin im Aufbau. Ihr wissenschaftliches Profil wird an den Forschungsschwerpunkten Gesundheitssystemforschung und Digitalisierung des Gesundheitswesens ausgerichtet und in enger Zusammenarbeit mit der Modellregion Gesundheit Lausitz umgesetzt. Der kommunale Krankenhausträger Ernst von Bergmann Krankenhaus gGmbH ist das zweitgrößte Krankenhaus im Land Brandenburg und Kern der Ernst von Bergmann Gruppe, der neben weiteren Krankenhäusern in Bad Belzig, Forst, Brandenburg a.d.Havel auch Einrichtungen der Ausbildung und Lehre, des Sozialen und der Pflege, der Diagnostik sowie Facharztpraxen angehören.
Berlin verfügt über ein dichtes und hochspezialisiertes ambulantes Versorgungsnetz. Über 10.000 ambulant tätige Ärzt:innen und Psychotherapeut:innen kümmern sich um die Gesundheit Bevölkerung in Berlin. In Brandenburg sorgen über 4.500 Ärtz:innen und Psychotherapeut:innen für die Versorgung der Bevölkerung.
Doch der demografische Wandel stellt auch und gerade die ambulante Versorgung vor große Herausforderungen. In Berlin ist insbesondere in den östlichen, besonders wachsenden Außenbezirken eine geringere Anzahl an niedergelassenen Ärzten im Verhältnis zur Bevölkerung zu verzeichnen. Die KV Berlin hat deshalb 2021 die KV Praxis Berlin GmbH gegründet, die derzeit an vier Standorten eigene Praxen betreibt und damit Ärztinnen und Ärzten die Möglichkeit gibt, im Angestelltenverhältnis zu arbeiten – eine Option, die gerade bei der jüngeren Generation zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefragt ist. In Brandenburg stellt insbesondere die Sicherstellung der Versorgung in ländlichen, strukturschwächeren Regionen eine große Herausforderung dar.
Die Herausforderungen im Gesundheitswesen sind groß. Angesichts des demografischen Wandels und massiv steigender Kosten braucht es mehr sektoren- und berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit, auch unter Nutzung digitaler Instrumente. Zudem sollen Gesundheitsförderung und Prävention gestärkt werden, damit Menschen nicht nur länger, sondern auch länger gesund leben.
Berlin will mit seinem Landesprogramm Integrierte Gesundheitszentren die ambulante Versorgung verstärkt mit Angeboten der Gesundheitsförderung und Prävention sowie der Sozialberatung verzahnen. Von dieser Form der koordinierten Versorgung sollen insbesondere Menschen in herausfordernden Lebenslagen profitieren. Seit 2023 fördert das Land Berlin Integrierte Gesundheitszentren in vier Berliner Bezirken:
- GeKo – Stadtteil Gesundheitszentrum Neukölln
- Integriertes Gesundheitszentrum Lichtenberg
- Nestwerk-Staaken (in Spandau)
- Integriertes Gesundheitszentrum Marzahn-Hellersdorf
Das Gesundheitszentrum Neukölln setzt außerdem gemeinsam mit der Poliklinik Veddel in Hamburg das Innovationsfondsprojekt NAVIGATION um, und bietet für Menschen mit komplexen bio-, psychisch-sozialen Bedarfslagen ein spezielles Gesundheitsprogramm. Community Health Nurses entwickeln mit den Patient:innen einen „Versorgungsplan“ und stehen ihnen im gesamten Versorgungs- und Beratungsprozess zur Seite.
In Vorbereitung auf die Krankenhausreform hat das Land Brandenburg Versorgungsbedarfsanalysen für die Brandenburger Gesundheitsregionen erstellt. Im Innovationsfondsprojekt ProReVers – Prospektive regionale sektorübergreifende Versorgungsplanung im ländlichen Raum wurde zudem in den Landkreisen Prignitz und Ostprignitz-Ruppin untersucht, wie eine sektorübergreifende Versorgungsplanung gelingen kann und wie darauf aufbauend bedarfsgerechte regionale Versorgungskonzepte entwickelt werden können.
Denn die Sicherstellung der Versorgung in ländlichen Regionen Brandenburgs erfordert zunehmend neue Konzepte und innovative Versorgungsstrukturen. So entsteht am Krankenhaus Seelow ein Gesundheitscampus, an dem ambulante und stationäre Strukturen miteinander verzahnt werden. In Wittstock/Dosse soll eine neue Poliklinik entstehen, um auch nach der geplanten Schließung des KMG-Krankenhausstandortes Wittstock die medizinische Versorgung vor Ort zu sichern.Mit einer neuen Poliklinik-Förderrichtline (Förderrichtlinie des Landes Brandenburg zur Sicherung regionaler Gesundheitsstrukturen im Land Brandenburg durch Polikliniken) schafft Brandenburg zudem eine gezielte investive Grundlage für ambulant-stationäre Zentren und eröffnet Handlungsspielräume für Kommunen. Bis zum Jahr 2030 stehen bis zu 40 Mio. Euro aus dem Sondervermögen des Zukunftspaketes Brandenburg dafür zur Verfügung.
Telemedizin kann einen Beitrag zur Sicherstellung flächendeckender Versorgung ebenso wie zur Kooperation von Kliniken und zum präventiven Monitoring von Patienten leisten. Eine Vorreiterrolle in diesem Zusammenhang nimmt der Arbeitsbereich für kardiovaskuläre Telemedizin der Charité unter Leitung von Professor Köhler ein. Hier werden telemedizinische Produktinnovationen entwickelt und getestet, aber auch Patient:innen mit chronischer Herzinsuffizienz betreut. Inzwischen ist das Telemonitoring von Patienten mit Herzinsuffizienz in der Regelversorgung angekommen. So betreiben z.B. auch die Sana Kliniken Berlin Brandenburg seit 2022 ein kardiologisches Telemedizinzentrum für die Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz in der gesamten Region.
Das Innovationsfondsprojekt TENEAM unter Leitung der Charité, soll die neurologische Versorgung in strukturschwachen Regionen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern durch Telemedizin verbessern.
Die Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin CCM/CVK an der Charité konzipierte und entwickelte als eines der ersten Zentren Deutschlands die Telemedizin auf universitärem Niveau. Aus dem Innovationsfondsprojekt ERIC entstand 2017 die KAI Telemedizin, die national und international telemedizinische Unterstützung leistet und Forschungsprojekte durchführt.
Im Bereich der Radiologie unterstützt das BG Klinikum Unfallkrankenhaus Berlin Kliniken in Berlin, Brandenburg und umliegenden Bundesländern bei der Befundung und ermöglicht Fernkonsultationen im Rahmen eines teleradiologischen Netzwerks. Im Bereich Teleneurologie bietet es Videokonsultationen für Partnerkrankenhäuser an.
Geschlechtersensible Medizin berücksichtigt geschlechterspezifische (biologische und soziokulturelle) Unterschiede systematisch in der Prävention, Diagnose und Therapie von Krankheiten. Die Hauptstadtregion Berlin Brandenburg gehört zu den Vorreitern einer modernen, diversitätsorientierten Medizin und Gesundheitsversorgung.
Bereits im Jahr 2003 wurde hier ein interdisziplinäres Zentrum für Geschlechterforschung in der Medizin gegründet - der erste seiner Art in Deutschland, seit 2007 das eigenständige Institut innerhalb der Charité „Gender in Medicine“ (GiM). Bereits im Wintersemester 2010/2011 wurde mit der Einführung des Modellstudiengangs Humanmedizin an der Charité auch die geschlechtersensible Medizin über das Curriculum hinweg systematisch in die Lehrinhalte integriert.
Zunehmend werden zudem weitere Aspekte von Diversität wie Alter, soziokultureller Hintergrund oder Ethnie in die Betrachtung von geschlechtersensibler Gesundheit einbezogen. Eine Berliner Forschungsgruppe um Frau Professor Stadler, Charité – Universitätsmedizin Berlin, entwickelte 2023 einen Diversitäts-Mindestindikatorensatz, mit dessen Hilfe die regelmäßige und standardisierte Erhebung von Geschlecht und weiteren Diversitätsdomänen unterstützt werden soll. Das Instrument steht inzwischen bereits für verschiedene Sprachgruppen und Regionen zur Verfügung.
Akteure aus der Region sind an verschiedensten Projekten zur Weiterentwicklung geschlechter- bzw. diversitätssensibler Medizin und Versorgung beteiligt.
Ausgewählte Projekte:
- GeDiMed: Bluthochdrucktherapie geschlechtsspezifisch anpassen
- PETRA – GeGe: Perimenopausale Symptome interaktiv lindern
- Advance Gender
- Empowerment für Diversität
Netzwerke in der Region
- Deutsche Gesellschaft für Geschlechterspezifische Medizin
- Arbeitsgemeinschaft für geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung
- Femtech-Allianz gaia (ZIM-Netzwerk)
- AG Geschlechtersensible Psychiatrie an der Charité
- AG Sexuelle und geschlechtliche Diversität bei der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention