EFRELand Brandenburgbe Berlin

Thematische Schwerpunkte und Maßnahmen

Um die strategischen Ziele in den kommenden Jahren umzusetzen, werden im Handlungsfeld folgende
Themenschwerpunkte und Maßnahmen verfolgt.

Kompetenzen und Kapazitäten in relevanten Indikationen ausbauen und verstärkt für Innovationen nutzen

Kompetenzen und Kapazitäten in relevanten Indikationen ausbauen und verstärkt für Innovationen nutzen

Medizintechnische Produkte und Dienstleistungen aus der Region Berlin-Brandenburg fokussieren schon heute insbesondere auf fünf medizinische Anwendungsbereiche, die etwa 80 Prozent der Indikationen für ambulante oder stationäre Behandlungen abdecken und dadurch eine hohe volkswirtschaftliche Relevanz aufweisen:

  • Altersmedizin inklusive der Gerontologie
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Neurologie
  • Onkologie
  • Orthopädie

Auf diesen Gebieten sind in der Region umfangreiche Ressourcen in Wissenschaft, Wirtschaft und Versorgung vorhanden, die verstärkt für Innovationen genutzt und international vermarktet werden sollen.

Vorhandene Technologiebasis ausbauen und Entwicklung hochinnovativer Zukunftsfelder forcieren

Vorhandene Technologiebasis ausbauen und Entwicklung hochinnovativer Zukunftsfelder forcieren

Die Megatrends der künftigen technologischen Entwicklung der Medizintechnik sind Miniaturisierung, Molekularisierung, Biologisierung, Individualisierung und die Verknüpfung mit IKT. Diese sind in fünf Technologiefeldern von besonderer Bedeutung, in denen die Region eine Vielzahl exzellenter Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Kliniken zu bieten hat. Das Potenzial in den folgenden Spitzentechnologien ist weiter konsequent auszubauen:

  • Bildgebende Diagnostik
  • E-Health-Technologien/medizinische Informatik
  • Endoprothetik
  • Kardiovaskuläre Medizintechnik
  • Minimal-invasive Medizin

Aufgrund der geografischen Gegebenheiten und technischen Kompetenzen bietet die Region vor allem für die Entwicklung von E-Health-Technologien exzellente Voraussetzungen. So wurden auf dem Gebiet der Telemedizin bereits richtungsweisende Verbundprojekte für Herz-Kreislauf- und Diabetes-Patienten etabliert, die auch von Bund, Ländern oder EU gefördert werden. Darauf aufbauend sind weitere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten zur Erhöhung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu forcieren sowie Transferprojekte zu entwickeln, um die Region noch stärker für die Erprobung neuer Medizinprodukte und medizintechnischer Hilfsmittel zu nutzen. Medizintechnische Hilfsmittel ermöglichen noch im hohen Lebensalter eine größere Selbständigkeit und das Wohnen zuhause. Für die Bereiche „Ambient Assisted Living“ (selbstbestimmtes Leben durch innovative Technik) und „Healthy Aging“ ist die Medizintechnik ebenfalls ein Schlüsselfaktor. Auch hier gilt es, die Expertise in der Region zu bündeln und insbesondere den Dialog mit den Akteuren im IKT-Sektor zu verstärken.

Weitere hochinnovative Technologiefelder, die in der Hauptstadtregion bereits mit sehr guten Ansätzen vertreten sind, die aber gerade mit Blick auf die Medizintechnik deutlich weiter entwickelt werden können, sind die Nanotechnologie und die Regenerative Medizin, in deren Spektrum auch der „Organersatz“ fällt. Das Thema „biologisierte Medizintechnik“ markiert eine wichtige Schnittstelle für diesen Schwerpunkt. Entsprechende Maßnahmen sind mit dem Handlungsfeld „Biotechnologie und Pharma“ zu verknüpfen, in dem die Regenerative Medizin, die rote Biotechnologie (z.B. Organersatz) sowie die Diagnostik (z.B. Kontrastmittel, Tracer) ebenfalls herausragende Rollen spielen.

Effektiveren Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Versorgung forcieren und etablieren

Effektiveren Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Versorgung forcieren und etablieren

Für die Medizintechnik ist die Translationsforschung, in der Akteure der akademischen Forschung und Unternehmen in einem klinischen Umfeld anwendungsorientiert zusammenarbeiten, ein zukunftsweisendes Feld. Translationszentren versammeln sowohl wissenschaftliches als auch regulatorisches Know-how und stellen somit für die Gesundheitsregion ein vielversprechendes Konzept dar. In Berlin-Brandenburg gibt es bereits entsprechende Zentren in angrenzenden Feldern wie der Regenerativen Medizin. Inwieweit ein Zentrum für biologisierte Medizintechnik, das die in der Region vorhandenen Kompetenzen in den Bereichen Medizin, Biologie und Biomaterialforschung verknüpft, dazu beitragen kann, die Rahmenbedingungen für die Entwicklung innovativer medizintechnischer Lösungen zu verbessern, ist zu prüfen.

Anders als ein Translationszentrum, das als organisatorische Struktur den Input verschiedener Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft bündelt, benötigen vor allem Start-up Unternehmen bzw. Ausgründungen räumliche Möglichkeiten zur Ansiedlung z. B. in Form eines Inkubators. Dies sollte idealerweise in enger räumlicher Nachbarschaft zu einer wissenschaftlichen Einrichtung oder einer Klinik erfolgen, damit gemeinsame Projekte und gegenseitige Hilfen bei der Unternehmensentwicklung möglich sind. Dafür können entweder bestehende Räumlichkeiten oder neue Gebäude genutzt werden. Die derzeit in der Region betriebenen Innovationsparks erfüllen die notwendigen Kriterien nur eingeschränkt, da in der Regel die themenspezifische Anbindung einer Klinik oder einer Forschungseinrichtung fehlt.

Zur Stärkung der Medizintechnik in Brandenburg ist vorgesehen, den Standort Senftenberg der BTU Cottbus-Senftenberg hinsichtlich Lehre und Forschung in den Gesundheitsberufen deutlich zu stärken. Es ist vorgesehen, einen Schwerpunkt in der Medizininformatik zu bilden und den vorhandenen Studiengang in der Medizintechnik durch Auf- und Ausbau der vorhandenen Ressourcen unter Einbeziehung des Maschinenbaus, der Elektrotechnik und der Informatik stärker forschungsbezogen weiterzuentwickeln.

Darüber hinaus sollen durch neue Veranstaltungsformate, Netzwerke und Kooperationsmöglichkeiten bessere Kommunikations- und Unterstützungsstrukturen geschaffen werden, in denen der Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Versorgung vorangetrieben wird. Auf dem Weg zum Markterfolg muss ein Medizinprodukt ein bisweilen unübersichtliches Geflecht aus regulatorischen Hürden überwinden. Fachkundige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der beiden Förderinstitutionen von Berlin und Brandenburg, Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie sowie ZukunftsAgentur Brandenburg (ZAB), stellen den Akteuren noch gezielter Informationen über aktuell geltende Rahmenbedingungen zur Verfügung und informieren über Finanzierungsmöglichkeiten, Förderbedingungen sowie Ansiedlungsoptionen und Bestandsentwicklung im regionalen Dreieck Wissenschaft, Wirtschaft und Versorgung. Dadurch sollen Innovationshürden besser identifiziert und überwunden werden.

Clusterübergreifende Projekte intensivieren

Clusterübergreifende Projekte intensivieren

Die Akteure der Wissenschaft, Wirtschaft und Versorgung können durch clusterübergreifende Kooperationen ihre Potenziale und Kompetenzen wettbewerbsfähiger entwickeln, in einem breiten Kontext regionaler Wertschöpfung mitwirken und dadurch auch internationales Gewicht erlangen. Eine enge Verknüpfung des Handlungsfeldes Medizintechnik im Cluster Gesundheitswirtschaft besteht mit den Clustern IKT/Medien/Kreativwirtschaft (z.B. E-Health), Optik (z.B. Bildgebung) sowie Kunststoffe/Chemie (z.B. Polymere, biokompatible Materialien). Der Transfer von Know-how und die Innovationsentwicklung in clusterübergreifenden Projekten lassen neue Arbeitsplätze und Märkte entstehen und schärfen das Profil der Hauptstadtregion als modernem und international attraktivem Standort.