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TK-Depressionscoach zeigt langfristige Erfolge

14.06.2017

Kann eine Online-Beratung gegen Depressionen helfen? Der von der Freien Universität Berlin (FU) und der Techniker Krankenkasse (TK) entwickelte Depressions-Coach verbindet klassische psychologische Therapie mit den Vorteilen neuer Medien. Er ermöglicht Teilnehmern, jederzeit und überall etwas für ihre Gesundheit zu tun. Die Bewertung der Wirksamkeit und Zufriedenheit setzt ein klares Zeichen für die Online-Therapie.

Eine aktuelle Studie zum Depressions-Coach der TK bestätigt, dass Beratungs- und Trainingsprogramme im Internet Depressionen lindern können. Die depressiven Symptome der Teilnehmer haben sich im Durchschnitt von einem mittleren Schweregrad auf einen klinisch nicht mehr bedeutsamen Wert verbessert. „Für leichte bis mittelschwere Depressionen zeigt der Online-Coach vergleichbare Effekte wie die konventionelle Sprechzimmertherapie“, sagt Professor Dr. Christine Knaevelsrud, Psychologin und Studienleiterin an der FU Berlin. Der Vorteil: Teilnehmer müssen eben nicht besagtes Sprechzimmer aufsuchen – was ihnen die damit verbundene Stresssituation und lange Wartezeiten erspart.

Die TK bietet den Depressions-Coach seit 2013 als gemeinsames Projekt mit der FU an. Das Programm richtet sich an Menschen mit leichten bis mittelschweren Depressionen. In sieben Modulen informieren sich die Teilnehmer zu ihrem Krankheitsbild und lernen durch aufeinander aufbauende Übungen, besser damit umzugehen. Dabei werden sie von einem speziell geschulten Psychologen durchgehend begleitet.

Reduzierter Leidensdruck, weniger Fehltage

Laut Studie, für die eine Stichprobe von 1.089 Teilnehmern evaluiert wurde, hat sich der Leidensdruck der Betroffenen deutlich reduziert. Die erzielten Fortschritte blieben auch drei, sechs und zwölf Monate nach dem Programm stabil. Neben den depressiven Symptomen treten auch Begleitumstände wie Angst und Grübeln deutlich schwächer auf. Dies führt zu weniger selbstberichteten Krankschreibungen und Fehltagen. Zudem sind die meisten Teilnehmer (84 Prozent) zufrieden mit dem Depressions-Coach und äußern ein gesteigertes Wohlbefinden.

Genutzt wurde der Depressions-Coach vorrangig von Frauen (66 Prozent), die Hälfte davon zwischen 36 und 54 Jahren. Da gerade Männer laut der TK-Studie „#SmartHealth“ therapieunterstützenden Apps gegenüber aufgeschlossener sind (38 Prozent) als Frauen (27 Prozent), bietet das Angebot jedoch auch für sie eine Alternative zum Praxisbesuch.

„Mit den Ergebnissen unserer Evaluation arbeiten wir nun daran, die Qualität sogenannter E-Mental-Health-Angebote zu steigern und mehr Betroffene darauf aufmerksam zu machen“, sagt Dr. Susanne Klein, Leiterin der Entwicklungsabteilung im TK-Versorgungsmanagement. „Damit wollen wir den ungedeckten Bedarf an fachgerechter Hilfe bei Depressionen reduzieren.“ Ziel sei es, auch die Versorgungssituation für Menschen mit starken psychischen Belastungen zu verbessern. „Die internationale Forschung zeigt uns, dass die Kombination von persönlicher Betreuung und neuen Medien hierbei durchaus gut funktioniert.“

Psyche zählt zu Hauptursachen von Krankschreibungen 

Depressionen gehören mittlerweile zu den Hauptursachen von Krankschreibungen bei Deutschlands Beschäftigten. Von den durchschnittlich 15,2 Fehltagen im Jahr 2016 entfielen 2,7 Tage auf psychische Erkrankungen. Dies geht aus Vorabdaten des Gesundheitsreports der TK hervor, der Ende Juni erscheint. Unter den zwölf Top-Diagnosen, die für die meisten Fehlzeiten ursächlich sind, sind die Hälfte psychische Diagnosen. Im Vergleich zum Vorjahr stagnieren die psychisch bedingten Fehlzeiten auf hohem Niveau. Insgesamt beträgt der Anstieg seit 2006 86 Prozent.

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Quelle: HealthCapital Berlin-Brandenburg