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Aktuelles Interview: Prof. Dr. Tilman Grune

15.07.2015

Prof. Dr. Tilman Grune ist Wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) Potsdam-Rehbrücke und Inhaber des Lehrstuhls für Molekulare Toxikologie, DIfE/Universität Potsdam. Seit Juni dieses Jahres leitet Grune den Forschungsverbund „NutriAct“ (Nutritional Intervention for Healthy Aging: Food Patterns, Behaviour, and Products). Dieses Cluster wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die kommenden drei Jahre mit 5,6 Millionen Euro gefördert. An dem Projekt sind mehr als 50 Partner aus 32 Forschungseinrichtungen und Unternehmen beteiligt. Zentrales Projektziel ist es, den Gesundheitsstatus der Bevölkerungsgruppe „50plus“ zu verbessern.

Herr Prof. Dr. Grune, ein Hauptanliegen des „NutriAct“-Clusters ist, den Gesundheitsstatus der Bevölkerungsgruppe „50plus“ zu verbessern. Warum gerade diese Altersgruppe?

Grundlegend müssen sich Ernährungswissenschaft und Ernährungswirtschaft mit dem demografischen Wandel in Deutschland auseinandersetzen, der klar in eine Richtung geht. Wir versuchen mit „NutriAct“,  für eine Gesellschaftsgruppe mittleren Alters Ernährungsmuster zu identifizieren, die ein gesundes Altern ermöglichen. Derzeit haben wir noch wenig Erfahrung wie sich die  Ernährung auf die Fitness im hohen Alter auswirkt, schließlich war die Lebenserwartung noch nie so hoch wie heute. Wie wir immer wieder feststellen, fällt es den meisten Menschen schwer, ihre Ernährungsvorlieben zu ändern und eine gesündere Ernährungsweise dauerhaft anzunehmen. Die Gruppe „50plus“ ist grundsätzlich in einer Phase des Lebens, die einen sensibler macht. Die ersten gesundheitlichen Probleme tauchen auf, man wird sich seiner Endlichkeit bewusst, die Weichen für das Arbeitsleben sind gestellt, die Kinder sind aus dem Haus. Das sehen wir als guten Zeitpunkt, um die Menschen aufzuklären und sie zu bewegen, ihre Muster zu verändern. Dabei stellen wir uns auch die Fragen: Sind Ernährungsmuster vererbt? Sind sie antrainiert? Und wie flexibel sind sie?

Welche Produkte für die altersgerechte gesunde Ernährung sollen entwickelt werden?

Ein Ziel ist es, Produkte zu entwickeln, die das Typ-2-Diabetes-Risiko mindern. Erste Voruntersuchungen deuten darauf hin, dass das mit einer Kombination aus hohem Protein- und geringem Kohlenhydratgehalt erreicht werden kann. Im Fokus haben wir dabei regionale, pflanzliche Proteine. Insgesamt müssen die Produkte ansprechend sein und gut schmecken, damit sie überhaupt akzeptiert werden am Markt. „NutriAct“ wird für drei Jahre gefördert mit einer Verlängerungsoption um noch einmal drei Jahre. Nach sechs Jahren dürften wir auch tatsächlich erste „echte“ Produkte haben.

Partner des Konsortiums sind auch Unternehmen. Welche Rolle spielen sie und wie werden sie einbezogen?

Wir stehen im ständigen Austausch. Wir haben insgesamt eine Kombination aus den Bereichen Ernährungsforschung  und Lebensmitteltechnologie. Ein Teil der Partner, zum Beispiel auch das DIfE, erstellt die wissenschaftlichen Grundlagen hinsichtlich der Gesundheitsaspekte und der Nahrungsauswahl. Andere Partner wie die TU-Berlin bringen sich bezüglich lebensmitteltechnologischer Aspekte ein. Die Unternehmen sind unter anderem hinsichtlich der Prozessentwicklung und der Produktherstellung  beteiligt. Das Interesse in der Region ist groß.

Wie ist die Region Berlin-Brandenburg beim Thema Ernährungsstrategien aufgestellt?

Wir haben in Berlin-Brandenburg keine internationalen Lebensmittelproduzenten mit großen Forschungsbudgets. Aber wir haben hier in der Region speziell im Gesundheitsbereich eine Tradition des Branchen übergreifenden und flexiblen Zusammenarbeitens. Das sind gute Bedingungen auch für „NutriAct“. Zudem könnte sich die Ausrichtung auf maßgeschneiderte, wissenschaftlich fundierte Ernährungsstrategien und -Produkte als zukunftsträchtige Nische erweisen.

 

Weitere Informationen:

www.nutriact.de

www.dife.de

Quelle: Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie